| Aus Springfield & Porters |
Seit dem 13.07. wohne ich nun im „Green House“ am Ortseingang von Springfield. Warum heißt das Green House Green House? Na weils grün is, richtig dunkelgrün… Fast alle Arbeiter vom Skigebiet sind in diesem kleinen Dörfchen untergebracht, und wenn man sich einen Treffpunkt ausmacht, wo man des Abends dinnieren oder sich treffen will, dann sagt man; na im White House oder im Party House oder oder... Man könnte sich hier wie daheim fühlen – es gibt nicht vielmehr Einwohner, als in meinem lieben Mühlleithen, und wir als Saisonarbeiter erhöhen trächtig die Einwohnerzahl. In unserem bescheidenen Häuschen können 6 Man jeweils im Doppelzimmer ein Plätzchen finden. Wir haben fast alles was das Herz begehrt: Gasherd, Mikrowelle, Waschmaschine, 3 Badezimmer, Garten und Schuppen. Der größte Wehrmutstropfen ist dabei nicht das fehlende Fernsehen und Internet, es ist die ebenfalls fehlende Zentralheizung, die wir verwöhnten Europäer als selbstverständlich empfinden. Es gibt zwei Öfen, die wie eh und je mit Holz befeuert werden müssen. Da wir keinen Kobold besitzen und auch noch nicht den Ring von Frodo gefunden haben, ist es Morgens zum Aufstehen, und Abends, wenn man von der Arbeit kommt, immer sehr sehr kalt. Das Aufstehen fällt besonders schwer. Der Lichtschalter scheint dann meilenweit vom Bett entfernt (man muss tatsächlich durch ganze Zimmer trampeln), die Glühbirne ohne Lampenschirm leuchtet doppelt so hell und man sollte aufpassen, dass man die Wärmeflasche richtig zudreht, sonst erwacht man schon mal in einem nasses Bett.
Es dauert eine ganze Weile, bis es dann warm wird und man durch das erhitzte Wasser eine warme Dusche nehmen kann. Man bedenke, dass die Häuser hier in der Regel ohne jegliche Wärmedämmung gebaut werden, was das halten der kostbaren Wärme über Nacht natürlich auch nicht einfacher macht. Feuer machen kann man selbstverständlich nur, wenn man auch Etwas zum Verbrennen hat. So nehmen Saskia und ich alle paar Tage die großen Pappkartons von der Arbeit mit ins Tal und besorgen uns somit einen schnellen und preiswerten Feueranzünder. Aber mit Pappe allein heizt man nicht das ganze Haus. Dementsprechend gehen wir des Nachts oft auch noch auf geheime Mission und klauen des Nachbars Feuerholz. Das kann man natürlich auch am Tag tun, wenn man eine „nettes Gespräch“ und einen halben Herzinfarkt mit dem erbosten Eigentümer haben möchte. Ja klar, man könnte auch einfach Holz kaufen… aber ihr wisst ja: wir sind arme Backpacker! Die nächtlichen Aktionen werden durch einen Zaun und einen kleinen Sumpf vor dem Zaun noch erschwert, aber mit einer Menschenkette holt man, was man forttragen kann. Leider ist es mit dem Holzklau noch nicht getan. Wir müssen uns das kostbare Brennholz (es scheint Schwemmholz zu sein, was sehr schnell verbrennt) auch noch ofengerecht (und der Ofen hat echt ein kleines Ofenloch!!) zu Recht sägen. Und das mit einer alten, rostigen Handsäge! Das sind Aktionen… Man sägt gern Holz, im Dunkeln mit einer Stirnlampe, in der Eiseskälte.
Ok… genug gejammert! Es ist ja auch irgendwie lustig. Und der einzige Mann in unserem Haus; Mike aus England, zieht meist das kürzeste Stäbchen und darf für „seine Frauen“ sägen. ;-) Schließlich war auch er es, der unsere Zimmertür zufallen lassen hat, und Saskia und mir daher die erste Nacht in der Besucherecke, im klapprigen Doppelstockbett, beschert hatte. Verzweifelt haben wir versucht in unser Zimmer zu kommen, jeder durfte sich mal als Einbrecher üben und sogar die Freunde aus den andere Häusern kamen vorbei um mit „klugen“ Ratschlägen und Taten zu Seite zu stehen. Aber es stellte sich heraus, dass wir keinen brauchbaren Einbrecher unter uns haben. So wurde ein lustiger Umtrunk daraus. Unser Vermieter hatte auch keinen Schlüssel mehr für das Zimmer und wollte am nächsten Morgen die Fenster ausheben. Aber naja… er hat dann doch einen Schlüsseldienst kommen lassen. Lustiger Typ… unser Mr. Burns….äh Bones. ;-) Diese Tür ist auch das einzige, was verschlossen war an unserem Haus. Bis auf das Auto vor der Tür wird hier nichts abgeschlossen. Jeder kommt und geht wie er will und alle Türen sind immer auf. Auch während wir auf Porters arbeiten. Wer also diverse Laptops und ja man kann schon sagen, ALLE Habseligkeiten von uns haben will, braucht nur vorbei zu kommen, und sich die Taschen vollzuladen. Nichts und Niemand wird ihn daran hindern. Schon ein mulmiges Gefühl für einen Deutschen, das Haus so offen stehen zu lassen.
Die Wäsche muss man vorwaschen, will man wirklich saubere Socken, was schon einmal wunde Fingerkuppen beschert und das längste! Waschprogramm unserer tollen Maschine dauert 45min! Das sagt doch schon alles…
Mein Arbeitstag sieht derzeit für 6 Tage in der Woche so aus: 6 Uhr aufstehen (frieren), 7.30 mit kleinen Augen am Treffpunkt in den Bus steigen, der uns in ca. 1 Stunde auf den Berg fährt, 8.30-17.15 Arbeiten im Café (Barista-Kaffee kochen und Farne und Herzchen draufzaubern, wir backen und kochen fast alles selber, müssen aber auch an jedem Tag selber Putzkollonne spielen – macht Spaß das ganze Café zu „moppen“), 17.30-18.30 Busfahrt zurück nach Springers (alle Schlafen, da es dunkel wird und kalt ist), Feuer machen und kochen und zusammensitzen. Immer Montag Abends findet im Pub des Ortes ein Arbeitermeeting von Porters statt, zu dem der Leiter Uli jeden eine Jug Bier oder Wein ausgibt und man fröhlich zusammen sitzt. ;-)
Das Skigebiet selbst hat leider nicht jeden Tag geöffnet. Wenn schlechtes Wetter, und es vor allem sehr windig ist, bleibt es geschlossen, und wir haben einen Tag unbezahlt frei. Dann geht man zusammen nach Christchurch klettern, oder irgendwo wandern, oder wenn man Glück hat, und nicht seine Skiausrüstung auf dem Berg gelassen hat, kann man zu einem anderen Skigebiet fahren und dort boarden gehen. Lustig ist es dann, wenn das Skigebiet „on hold“ ist. D.h. es ist noch nicht sicher ob man öffnen kann, oder nicht, und alle Mitarbeiter müssen sich bereithalten. So sitzt dann schon mal die ganze Truppe 1h im Bus an der Haltestelle, wartet auf den Anruf vom Manger, und darf dann doch wieder heimgehen, weil es zu schlechtes Wetter hat.
In den hiesigen Winterferien hatte ich nur 1 Tag frei. Und genau an diesem Tag wollte ich mit den Freunden aus Chch nach Mt. Hutt fahren. Ich machte mich nach der Arbeit mit der Biene auf den Weg, was mich diesesmal nicht 1h sondern fast 2h kosten sollte. Es schneite so sehr, dass die Biene ganz schön ackern musste und mir dann und wann erhebliche Adrenalinausstöße bescherte, was das passieren diverser Autos im Seitengraben nicht verbesserte. Aber ich bin gut angekommen. Es schneite so sehr in Christchurch (das 1. Mal diesen Winter!), dass am nächsten Morgen alle Straßen dicht, Mt. Hutt on hold und alle Wege aus Christchurch geschlossen waren. Gefangen in der Stadt, an meinem freien Tag, mit besten Powderbedingungen auf den Bergen-sooo gemein. Als Entschädigung sind wir zum Strand gefahren und haben einen Sand-Schneemann gebaut (Siehe Fotos). Aber nicht nur wir bauten Schneemänner… da fast alle Leute nicht zu Arbeit gingen, wegen dem Schnee, und daher auch fast alle Läden geschlossen waren(schwierig was etwas Essbares zu finden!) haben soooo viele Menschen Schneemänner gebaut.. Eine Fahrt durchs Schneemannsland ;-) Oder besser eine „Steckenbleibfahrt“. Drei Mal sind wir in der Stadt an Ampeln, Kreuzungen und Nebenstraßen mit dem Auto stecken geblieben, bis wir kurzerhand beschlossen hatten Schneeketten zu kaufen, was das Leben an diesem Tag bedeutend einfacher machte. Man konnte ja nicht einmal eine heiße Schokolade trinken gehen, ohne danach sicher zu sein, dass man das Auto mit Hilfe freundlicher Passanten wieder in Schwung bringen muss. Zudem ist man genötigt auch immer Schneeketten drauf zu haben, wenn man selbst in ein Skigebiet fahren will, da die Straßen so schlecht und steil sind. Am nächsten Tag musste mich Jeremy um 6 zurück nach Springfield fahren, da die Biene hinter dicken Schneepflugmauern eingefroren war, und nicht fliegen konnte. Aber auch wir konnten nur 30km/h in der Stadt fahren… sooo glatt! Die Kiwis streuen kein Salz, höchstens etwas Splitt über die Bergpässe. Mmh.. den Bus hab ich dann in Springfield auch verpasst und er durfte mich die Stunde noch auf den Berg hochfahren…
So das war’s erst mal von mir!
In kürze kommt der Bericht zum Geburtstaaaaaag.
Seid mir alle lieb gegrüßt!
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