Freitag, 6. Januar 2012

goodbuy 2011!

Befor ich mich nun auf eine weitere Reiseperiode begebe, wollte ich euch schnell noch berichten, was in den letzten 1 1/2 Monaten des Jahres 2011 geschehen ist...

Als ich von meinem Trip aus dem Süden zurück nach Christchurch gekommen bin, ging es für mich, dank Jeremy, lückenlos in die Arbeitsphase über. Ich konnte wieder wie gewohnt abends im Chinwag als Kellner oder Barkeeper mein Reisebuget aufbessern. Mein Plan für die nächsten Wochen beinhaltete jedoch mehr... Ich wollte das langersehnte Praktikum, in einem Bereich, der meinem Studium weitaus näher kommt, als die Gastronomie in Angriff nehmen.
Wie es der Zufall wollte, ist Mike, der Engländer, mit dem ich in Springfield zusammen gewohnt, und mit dem ich auf Porters gearbeitet hatte, jetzt der Manger des Outdoor- Activitybereiches von Living Springs. Living Springs selbst ist ein Event und Outdoor Education Center, was traumhaft etwa 30min von Christchurch, mitten in der Banks Peninsula an der Governours Bay liegt. Dort können u.a. Seminare, Konferenzen, Schulausflüge und Hochzeiten abgehalten werden, sowie Camp-, Führungs- und Teambildungfähigkeiten erarbeitet und ausgebaut werden. Für jede Alters- und Könnergruppe gibt es spezielle Aktivitäten und Spiele. (Wer sich dafür interessiert hier der Link: )
Genau das, wonach ich gesucht hatte! =D Ich rief also kurz an, und schon hatte ich die Zusage, dass ich, wenn auch unbezahlt, eine Arte "work experience" machen kann. So fuhr ich ab Mitte November jeden Tag die 20km von Christchurch über die Port Hills in die Bay hinein und durfte an allen anfallenden Aktivitäten und Ausflügen teilnehmen und auch selbst die Führung übernehmen. Um nur einige Stichpunkte zu nennen: See-Kajaken, Canyoning, Klettern, Bouldern, Wandertouren, Orientierungs- und Umweltbezogenene Spiele, Outdoor Überlebenstraining usw. Es gab so vieles... auch einen Farmpark, mit Reittouren und Schafscheren. Einiges seht ihr auf meinen Fotos, und wer sich noch mehr für meine Arbeit dort interessiert, kann ja auf der Webpage vorbei schauen.


Das Zentrum hat, da es ja auch Übernachtungen im Zeltlager oder in Bettenhäusern anbietet, seine eigene Küche =), in der ich jederzeit kostenlos mir nach Lust und Laune den Bauch vollschlagen konnte. Auch lernte ich dort sehr liebe und intressante Menschen kennen. Angefangen bei den drei Köchen (zwei waren Maori), die mir immer wieder tolles Essen und auch lecker Snacks gemacht haben, über die Aktivity Guides, bis hin zu den derzeit 6 freiwilligen Arbeitern aus aller Welt, die das gesamte Camp unterstützen und dort helfen, wo gerade Not am Mann ist. Diese sind meist junge Menschen, die Auslandserfahrung sammeln wollen, und an einem speziellen Programm für das jeweilige Land, für das sie sich entschieden haben, teilnehmen. Dort bekommen sie dann kostenlos Logie und Essen und helfen der Organisation in der Regel für 6h am Tag. Das gesamte Team war multikulturell: von Spanien, über England, Deutschland, Schweiz, Dänemark und Finnland, bis Weiß Russland und Maori und auch Kiwis natürlich, war alles vertreten. Ich fühlte mich sehr wohl und konnte auch noch einiges Lernen, was Motivation und Umgang mit verschiedenen Altersgruppen aber auch mit der neuseeländisch typischen Lockerheit anbelangte. So zum Beispiel konnte ich, wenn ich einen langen Abend im Restaurant hatte, in dem ich ja immer noch nach den 8h Arbeit in Living Springs, gearbeitet hatte, am nächsten Tag anfangen, wann ich wollte. Da kam es schon mal vor, dass ich erst um die Mittagszeit, zum Lunch dort erschienen bin. Was mir auch wirklich keiner verübelte... und ich konnte nach teilweise 16h arbeit am Tag wenigstens auch ausschlafen. In der Zeit zwischen meinen beiden Jobs (so 2h meist) bin ich öfters im Meer baden gewesen, oder habe mich einfach von der Sonne an der Nase kitzeln lassen, und mir eine ruhige Bay gesucht und relaxt...

Neben meinen recht gefüllten Tagen kam ich auch dazu ein paar Radausflüge zu machen. Das Fahrrad dafür habe ich von Jeremy erhalten und es musste auch nur einen kurzen Check in einem Fahrradshop über sich ergehen lassen, da es die letzten 8 Jahre in einer Garage ein recht armsehliges Dasein gefristet hatte... Aber jetzt funktioniert alles bestens, und ich bin endlich auch in einer etwas sporticheren Hinsicht wieder mobil.

In der Innenstadt tut sich derzeit auch einiges. Zuerst wurde ein Laufweg zum Kathedral Square eröffnet, an dem man an Wochenendtagen, begrenzt von Zäunen, das eingestürzte Wahrzeichen, die Cathedral, begutachten kann. Auch sind seit Anfang November Bus Touren durch die Red Zone (abgesperrte, in Abriss begriffene Innenstadt) für eine Spende von einem Dollar möglich. Diese Touren sind auch nur an arbeitsfreien Wochenenden möglich, und lange vorher ausgebucht. Wir mussten 3 Wochen im Voraus buchen... Jeremy, Jeff und ich fuhren also durch die Innenstadt, die ich ja leider noch nie gesehen hatte und daher auch am Schluss nicht sagen konnte, was sich verändert hat, oder ob es schlimm aussieht. An vielen Stellen ist einfach eine gerade Schotterfläche, oder ein Loch zwischen zwei anderen Häusern zu sehen, wo nach Erklärungen meiner beiden Gefährten, Dies und Jenes gestanden hat. Man sieht die Abrissbagger und leere Häuser mit kaputten Fenstern und eingefallenen Mauern, leere Straßen, hohes Gras auf die, einst schönen, Grünflächen zwischen den Gebäudekomplexen. An der Stelle, an der viele Menschen gestorben sind, hält der Bus an und es gibt eine Schweigeminute. So schwer vorstellbar für mich, denn es existiert nichts... nur eine leere, gerade Fläche. Vor dem Betreten des Busses wird einem erklärt, dass es immer noch gefährlich ist das Gebiet, was von der Armee abgesperrt wird, zu betreten, und dass im Falle eines weiteren Bebens das eigene Leben, wenn auch viele Sicherheitsmaßnahmen getroffen sind, in Gefahr ist. Man darf aus dem Bus während der Fahrt nicht aussteigen, und wird darauf hingewiesen, dass man ihn gerne wieder verlassen kann, bevor die Fahrt losgeht. Die Menschen im Bus sind bewegt und still, auch meine beiden Gefährten. Wenngleich sie meinen, dass bereits vieles abgerissen ist, und man gar nicht mehr den zerstörten Eindruck erhält.
In der Nähe des Walkways versucht man die Menschen wieder in die Stadt zu bringen, in dem man eine Art Container-Zentrum, im neumodischen und bunten Stil, mit Cafés und Einkaufsboutigen, und vielen Blumen (ist ja auch die Gardencity) geschaffen hat. Es wird sehr gut angenommen und gefällt auch mir.


Nachdem ich am 24.12. die Spuren des letzten großen Bebens vom 23.12. im Chinwag beseitigt hatte, (5h Zerbrochenes aufräumen, Gläser putzen, umgefallene Fischsoßen Rückstände beseitigen) wollten wir noch in den Park zum sogenannten Candlelight Singing. Da ist eine große Bühne aufgebaut und die Menschen sitzen mit Kerzen davor und singen zusammen mit dem Orchester Weihnachtslieder. Zuvor musste allerdings noch ein Reifen gewechselt werden, da man sich einen Nagel eingahren hatte. Alles in allem, war das ein komplett anders ablaufender Weihnachtsabend... aber schön wars doch irgendwie.
Weihnachten selbst, habe ich mit Jeremy und seiner Familie gefeiertt. Es gab also ein richtiges "Kiwi"-Weihnachten! Hier feiern sie für gewöhnlich am 25.12. mit einem großen Mittagessen. Früh gleich nach dem Aufstehen, packt man die Geschenke aus seinem Weihnnachtsstifel aus und hat dann ein leichtes Frühstück. Bei Jeremys Eltern gab es ein typisches Brunch mit gegrillten Würstchen und Tomaten, Kartoffelpuffern, Rührei, Speck, Früchten und Gemüsen... und Abends gab es dann Lamm, Hühnchen und Ham (wie Kasslerbraten) mit im Ofen gemmachten und in Öl geschwenkten Kartoffeln, Kürbis und Rote Beete, sowie der typsichen Mint-Gravi (Bratensoße mit Mintgeschmack). Als Nachtisch gab es den typischen Kuchen, Pavlova, und Eis. Mmh... Jummy! Ich hab mit meinen Ellis geskypt (zum ersten Mal mit Kamera, weil auch in Mühlleithen der Weihnachtsmann fleißg war) und einfach einen schönen Sommertag, mit lieben Menschen verbracht.

Am 27.12. gab es endlich den langersehnten Trip mit dem Boot in Akaroa, auf dem ich zum ersten Mal Delphine sehen konnte. Aber auch Robben und Pinguine waren anzutreffen. Perfekes Wetter ließ mich auch ein Weihnachtsbad in den Wellen, des schon sehr warmen, Pazifischen Ozeans nehmen, und einen fantastsichen Tag auf der Halbinsel vebringen.

Aus Weihnachtszeit

Silvester arbeitete ich wie gesagt in Chinwag. Dort klockte ich mich halb 12 aus dem System aus und zog mich in windeseile in der Küche des Restaurants mit den anderen Kellnerinnen und Köchinnen um, was ganz lustig war, da neben all den Töpfen und Kochuntensilien ein rießiger mitgebrachter Spiegel stand, und man man mit Glätteeisen und Schminke den Arbeitstag versuchte ungeschehen zu machen. Kurz vor um 12 hatten wir es auch alle geschafft und konnten anstoßen. Es wurde getanzt und erzählt... und feucht fröhlich ins neue Jahr gefeiert.

Ab 10.01.2012 kehre ich Christchruch erneut den Rücken zu, fahre über Wanaka, Milford Sound, die Golden Bay nach Picton, wo mich die Fähre auf die Nordinsel bringen soll. Eine lange Reisezeit steht bevor... gut zu wissen, auch wenn ich Christchruch liebgewonnen habe,dass man nicht mehr ständig Erdbeben hat (während des Schreibens dieses Artikels waren es 3).

Hab euch lieb... die Elle

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