Freitag, 20. Mai 2011

Goodbuy Christchurch - Welcome West Coast

Ein komisches Gefühl ist es, die Stadt hinter sich zu lassen, in der man das erste Neuseeland Feeling bekommen hat, und in der man nun fast einen ganzen Monat verbracht, und dabei viele liebe Freunde gewonnen hat. Wir haben hier, trotz der Innenstadt Absperrung und diverser Aftershocks, viel mitgenommen – einige traurige Seiten natürlich, aber auch viele lustige Augenblicke und wertvolle Gespräche. Das Straßennetz kann ab jetzt in den meisten Fällen ohne Karte befahren werden ;-), eine der wenigen offenen Discotheken wurde besucht; wir waren Karaoke singen und an allen Stränden, den beiden Häfen, auf der Vulkan-Halbinsel Banks Peninsula sowie in diversen Shoping-Läden unterwegs. ;-)

Da Nina zu einem Vorstellungsgespräch in Mt. Hutt eingeladen war, verliesen wir am 09.05., zu einer gefühlten unmenschlichen Uhrzeit, Christchurch. Das Haus auf Vordermann zu bringen, und die Schlüsselübergabe an den nächsten Katzensitter, hatten doch etwas länger gedauert, als erhofft. Dies war unser erster etwas stressiger Tagesbeginn seit unserer Ankunft im gediegenen Kiwiland. Wir sind beide nicht gerade ´in time` oder noch besser, haben uns der verlangsamten und relaxten Lebensweise der Einheimischen angepasst ;-). Aber komischer Weise haben wir Methven am Fuße des Mt. Hutt pünktlich erreicht, und Nina konnte sich, aufgrund des stressigen Tagesbeginns, mehr oder eher weniger gut vorbereitet den Fragen des Teamleiters stellen. Wir haben uns beide in Mt. Hutt beworben, aber leider wollten sie mich nicht als Funpark-Erbauer-Teammitglied – es gab angeblich zu viele hervorragend ausgebildete Bewerber. Nina hatte weniger Auswahl, da Leute mit guter Ski-/Snowboard- inklusive Wettkampferfahrung gesucht wurden. aber ein glücklicheres Händchen in ihrer Jobwahl (Verkäufer) auf dem Skifeld. Blöd war, dass man nur eine Bewerbung für einen speziellen Job an Mt. Hutt schicken durfte, und sich nicht bei mehreren Jobs anmelden konnte. So war es wohl eine Lotterie, sich bei der `richtigen` Sache zu bewerben. Am Ende konnte auch sie leider den Interviewpartner nicht von sich überzeugen.

Nachdem wir aus Christchurch hinaus waren, hatte sich das Sichtbild völlig verändert. Es gab immer wieder viele Weiden mit Schafen und Kühen. Auffällig waren rießige Hecken, die in eine strenge rechteckige Form gebracht wurden und als Windschutz für Obst und Weinplantagen dienen sollen. Und ja, Wein pflanzt man hier nicht wie bei uns an steilen Hängen an, sondern in der Ebene. Die Ortschaften wurden teilweise erschreckend klein, und man bekam einen ersten Eindruck des reellen Neuseelands, außerhalb der 2. größten Stadt des Landes.
Nachdem das Interview abgehakt war beschlossen wir zum Skigebiet Mt. Hutt (bekanntesten nach den legendären um Queenstown) hochzufahren. Gedacht hatten wir an eine normale Auffahrt wie in jedes andere touristisch gut erschlossene Gebiet in unseren Alpen daheim. Weit gefehlt! Die `Straße` auf den Gipfel des Mt. Hutt war eine echte Bewährungsprobe für unsere `Biene`, und uns. Ich sage nur Schotter, Felsen, spitze Steine, Löcher und noch mal Schotter. Nicht selten saßen wir beide mit offenen Mündern und zerknautschten Gesichtern im Bus und warteten ab, ob die Reifen und Achsen der Belastung standhalten. Übrigens kennen die Neuseeländer anscheinend keine lebensrettenden Leitblanken oder annährungsweise sichere Abschlüsse für Straßen, die an tiefen Abgründen entlang führen! Von Nichts, bis verrostete, niedlich wirkende Stahlseile war `alles´ anzutreffen. Aber der Aufstieg hatte sich gelohnt. Im Tal sind wir bei wolkenverhangenem Himmel gestartet und nach einer kurzen Nebelphase, konnten wir unseren Lunch dann in Sonnenschein und mit phantastischer Aussicht über den Wolken genießen.

Nach der erneut recht holprigen Abfahrt ging es direkt weiter zum bekannten Arthurs Pass, über den wir am nächsten Tag die Westküste und unseren 1. Woofing-Ort: Harihari erreichen wollten. Der Pass ist einer von den 3 Straßenüberquerungen der Southern Alps, und laut Reiseführer der landschaftlich schönste. Es ist die höchstgelegenste asphaltierte Straße über die Alpen und das gerade mal mit 945m! Jeder der also über den Aschberg bei uns daheim fährt, kommt höher! Am Ostrand der Alpen ist alles sehr trocken und beige oder braun, da dieser Landstrich kaum Regen abbekommt. Niedliche Dörfer mit rustikalen Holzhäusern, Wellblechhütten und kleine, in Familienbetrieb bewirtschafftete Cafés prägten die Aussicht aus unserem Bus. Es war schon spät als wir uns an einem der zahlreichen Seen (Lake Person) mitten in den Bergen unser erstes Campinglager suchten. Mutterseelen allein standen wir am See, begannen ein Lagerfeuer zu entfachen und unseren Außenherd für Spaghetti mit Tomatensoße aufzustellen. Gekocht werden musste dann schon im Dunkeln mit Stirnlampe. Echtes Campingfeeling gleich beim ersten Mal! Es war toll, mucks Mäuschen still und schon ein etwas komisches Gefühl, so allein in der Nacht! Bei einem Bierchen und einem Gläschen unseres erstandenen und heißgeliebten Butterscotches ließen wir den Abend ausklingen. Nachdem es schon spätestens um 18 Uhr hier dunkel war, kam uns die Zeit bis um 21 Uhr ewig vor, wenn man allein ist, kein Internet, Fernsehen oder elektrisches Licht hat. Schon komisch! Nach einer kurzen letzten Nacht (2h schlaf) in Christchurch und dank der vielen tollen landschaftlichen Eindrücken, habe ich sehr gut geschlafen.

Frühstück in Sonnenschein am See - toll! Die Weiterfahrt über den Pass war weiterhin lohnenswert und die Landschaft wechselt wirklich im halbstunden Takt. Von trocken, über Fichten, Buchenwälder, Mischwälder, karge Kalkfelsen, langgestreckte Flusstäler bis Mischwälder mit Palmen ist alles dabei. Erste Bekanntschaft mit den frechen Bergpapageien, den Keas haben wir auch gemacht, nachdem sie einfach in halsbrecherischer Manier über unsere Köpfe kreisten um sich dann niederzulassen und unseren Van zu malträtieren. Achja, ich wurde glaube ich noch nie so oft, von so vielen großen LKW´s überholt, wie hier in Neuseeland. Die haben alle keine Zeit, wie wir Backpacker, so scheint es…

An der Westküste Richtung Süden gibt es nur eine große Straße und sehr kleine Ortschaften. So unglaublich viel Landschaft und wenige Menschen! Mittaggegessen (also unsere nun regelmäßige Zeit dafür ist etwa 16 Uhr) wurde in Hokitika, am Meer. Hier durfte ich auch gleich die Bekanntschaft mit den mießen Sandflys machen! Zerstochen haben sie meinen Knöchel! Und das juckt wirklich sehr!
Danach hatten wir es, wie so oft, wieder eilig unseren Woofing-Wirt Larry zu finden. Nachdem ich nur eine vage Beschreibung der Adresse und seinem Namen hatte, funktionierte es aber sehr gut. Wir verbrachten 4 tolle Tage bei dem Kanadier Larry und seinem Sohn Harry in Harihari. Wir wohnten in einem riesigen Haus, mit erneut karger, aber wohl typischer neuseeländischer, Einrichtung (liegt wohl daran, dass sie immer so viel Umziehen hier). Wir arbeiteten in seinen Gewächshäusern, sähten Tomaten, Gurken, Zwiebeln, Auberginen, Basilikum, etc während klassische Musik durch die Räume hallte. Es gab leider kein Geld, aber die Unterbringung und das leckere frische Essen. Larry braut seinen Schnaps, vor allem seinen Vodka und sein Bier selbst, und findet in seinem Sohn ein interessierten Schüler. Da die Neuseeländer wirklich viel trinken, ist diese Weise die billigste. Immer wieder hört man denselben Grund: es gibt nichts zu tun für die Menschen am Abend. Larry ist Musiker, spielte früher in Bands und schreibt seine eigenen Songs. Wir verbrachten die Abende mit Billard spielen im Wohnzimmer (da steht ein Mega-Fernseher, der nie an ist, der Billiardtisch, ein Sofa und ein Herd), kochen, tanzen im Lagerraum, und einem tollen Klavierabend in einer Bar. Dort wurde ein Bekannter von Larry, Toni-ein Truckerfahrer-Verschnitt (groß, massig, mit weißem Bart-über der Oberlippe gelb vom Rauchen, wenig Zähne), auf uns aufmerksam. Er „verliebte“ sich in die deutschen Mädels und schenkte ihnen am Ende einen Green Stone; Jade. Am letzten Wwoofingtag wurde nicht gearbeitet, da es zu sehr regnete! (was ja eigentlich nichts ausmacht, wenn man im Glashaus sitzt), stattdessen wurde Hokitika gemeinsam mit den beiden unsicher gemacht. Der Abschied fiel nach knapp 4 Tagen nicht leicht, zumal am selbben Tag noch die Anreise zu unserer 2. Wwoofingfamilie auf dem Programm stand, und nicht ganz klar war, was uns erwarten würde.

Neue Fotos gibt’s im Album und auch in Kürze die Geschichte zur oben genannten Familie, mit der „liebenswerten She-Devil-Lady“.
Bis denn…

Von Arthurs Pass/Mount Hutt/Westküste1

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